Melk

Die Zwangsarbeit

Die Transporte von Häftlingen aus dem KZ Mauthausen nach Melk wurden nach dem Bedarf der Baufirmen zusammengestellt, welche die Stollenanlage bei Roggendorf errichteten. Die meisten Häftlinge waren im Schichtbetrieb direkt beim Stollenbau eingesetzt. Die Melker KZ-Häftlinge wurden von der SS-Lagerleitung an die Baufirmen „vermietet“. Jede Firma gab ihren täglichen Bedarf an Arbeitern bekannt und nach diesen Angaben wurden im Lager die Arbeitskolonnen zusammengestellt. Für jeden Häftlingsfacharbeiter verlangte die SS von den Firmen 6 Reichsmark, für jeden Hilfsarbeiter 4 Reichsmark, die an die Reichskassa überwiesen wurden. Die KZ-Häftlinge arbeiteten zu Tausenden an der Errichtung der Stollenanlage in Roggendorf. Die Zeichnung des Melker KZ-Überlebenden Daniel Piquee-Audrain, „Travaux extérieurs en hiver“, zeigt die Zwangsarbeit vor dem A-Stollen.Die „Minderleistung“ der Häftlinge im Vergleich zu den zivilen deutschen Arbeitskräften wurde den Firmen rückvergütet. Alles, was die Firmen über den fix vereinbarten „Minderleistungsfaktor“ hinaus aus den Häftlingen herauspressten – die Häftlinge arbeiteten rund um die Uhr im Dreischichtsystem –, war für sie kostenlos. Ein entscheidender Vorteil des Einsatzes von KZ-Häftlingen lag für die Baufirmen in der Tatsache, dass ohne diese überhaupt kein Umsatz zu erwirtschaften gewesen wäre. Nach dem Krieg sollten die Entgeltzahlungen vielen Firmen als Argumentation bei der Verweigerung von Entschädigungszahlungen dienen. Die Häftlinge seien ohnehin bezahlt worden.

Die KZ-Häftlinge wurden bei jeder Witterung per Zug zum täglichen Zwangsarbeitseinsatz von Melk nach Roggendorf transportiert. Sowohl in Melk (etwa auf Höhe des heutigen Sportplatzes in der Abt-Karl-Straße) als auch in Roggendorf entlang der Westbahnstrecke in Sichtweite es Stolleneingangs wurden zu diesem Zweck spezielle hölzerne Verladerampen, sogenannte „KZ-Haltepunkte“, errichtet. Im Falle verspäteter Züge mussten die Häftlinge dort oft stundenlang im Freien ausharren. Wenn die Züge gar nicht kamen, mussten die Häftlinge zur Zwangsarbeit marschieren.

Abgesehen von der Zwangsarbeit im Stollen wurden die Melker KZ-Häftlinge aber auch noch bei einer ganzen Reihe anderer Arbeitsstellen zur Zwangsarbeit eingesetzt. So gab es etwa das sogenannte „Hopferwieser-Kommando“ bei dem Melker KZ-Häftlinge Tag für Tag mit dem Zug nach Amstetten transportiert wurden, um dort Bauholz zur Pölzung der Stollenanlage zu schlägern.

Der Wasser-Hochbehälter beim Kupferschmiedkreuz rund 500 Meter südlich des KZ-Areals wurde im Herbst 1944 von KZ-Häftlingen errichtet und diente der Wasserversorgung. Heute ist er einer der wenigen Baureste, die in Melk noch erhalten sind, Foto ZHZ Melk.Auch in der Stadt Melk selbst wurden KZ-Häftlingen zur Errichtung diverser Infrastrukturbauten herangezogen, etwa zum Bau einer Abwasseranlage beim Lagerareal sowie eines Wasserhochbehälters zur Trinkwasserversorgung des Lagers unweit des sogenannten „Kupferschmiedkreuzes“ einige hundert Meter südlich des Lagers. Mit der Errichtung mehrerer dieser Bauten wurde der damalige Melker Stadtbaumeister Franz Sdraule beauftragt, dem für seine Bauvorhaben ebenfalls KZ-Häftlinge zur Verfügung gestellt wurden. Mehrere Häftlinge waren zudem für den Bäckermeister Franz Exel tätig, der seine Bäckerei in der Linzer Straße unweit des Hauptplatzes in Melk betrieb.