Projekte

Wir arbeiten laufend wissenschaftlich zu offenen zeithistorischer Fragen, welche die Stadt Melk sowie die ganze Region betreffen (vgl. das Projekt "Zwischenräume"). Darüber hinaus wollen wir uns aber auch systematisch auf nationaler und internationaler mit Institutionen und Initiativen vernetzen - sei es zu wissenschaftlichen Themen, sei es aber auch in gedenkstättenpädagogischer Hinsicht. Besonders wichtig ist für uns hier eine Form der Vermittlungsarbeit zu pflegen, die ausgehend von zeithistorischen Fakten und Ereignissen immer auch auf aktuelle gesellschaftspolitische Themen reflektiert. Im Fokus stehen hier nicht zuletzt auch Erinnerungen an die NS-Zeit sowie an Aspekte der Gedenk- und Erinnerungskultur nach 1945 (vgl. das Projekt MenschenLeben).
Um diesen Zielen gerecht zu werden und unser Repertoire laufend zu erweitern, gehen wir auch immer wieder projektbezogene Kooperationen ein und vernetzen uns. Die Ergebnisse dieser Projekte und Kooperationen wollen wir künftig in der Rubrik "Projekte" vorstellen und Sie somit über unsere Arbeit auf dem Laufenden halten.

Dabei steht jeder Karteireiter für ein konkretes Projekt. Dort finden Sie Projektergebnisse, weiterführende Informationen, Links etc. Möchten Sie zu einem der vorgestellten Projekte etwas beitragen? Verfügen Sie über Quellen- oder Fotomaterial, welches Sie uns zur Verfügung stellen wollen? Kennen Sie Menschen, die uns von ihrem Leben erzählen möchten? Dann wenden Sie sich bitte an die E-Mailadresse: info@melk-memorial.org bzw. rufen Sie uns unter 0677/63658882 an.

Hier im Bild: der Manker Alois Will in jüngeren Jahren ... für unser MenschenLeben-Interview im Sommer 2020 hat er das abgebildete Motorrad (immer noch funktionstüchtig) aus der Garage geholt.Hier im Bild: der Manker Alois Will in jüngeren Jahren ... für unser MenschenLeben-Interview im Sommer 2020 hat er das abgebildete Motorrad (immer noch funktionstüchtig) aus der Garage geholt.

 

Seit 2020 ist das ZHZ Melk Kooperationspartner des Interviewprojekts "MenschenLeben" der Österreichischen Mediathek. Dabei handelt es sich um eine Sammlung lebensgeschichtlicher Erzählungen, die 2009 gegründet wurde und inzwischen mehr als 1.600 Interviews beinhaltet. Geführt werden die lebensgeschichtlichen Gespräche nach der sozialwissenschaftlichen Methode des "narrativen Interviews" (nach Fritz Schütze). Unsere beiden in der Methode geschulten Interviewerinnen Melanie Grubner und Christina Kandler haben inzwischen eine ganze Reihe von lebensgeschichtlichen Interviews mit Menschen aus Melk, Mank, St. Pölten, Bischofstetten, Loosdorf, Kirnberg, Emmersdorf, St. Aegyd am Neuwalde etc. geführt. Hier können Sie jeweils kurze Biografien der bislang interviewten Menschen downloaden und finden außerdem die Links zu den kompletten Audio-Interviews:

Hendrike Sora

Ein Interview vom 3.12.2021 von Christina Kandler

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Geboren 1947 in Bad Ischl lebt Hendrike Sora heute noch in der Stadt in ihrem Haus, das ihr sehr viel bedeutet. Sie ist die zweite Tochter von Helene und Dr. Josef Sora, der im Zweiten Weltkrieg bei der Luftwaffe diente und 1944 und 1945 als Lagerarzt im KZ Melk tätig war. Sie besuchte die Volksschule in Bad Ischl und das Gymnasium in Gmunden und Bad Ischl und widmete sich dann ihrem Violine-Studium in Salzburg, nachdem sie die Liebe zur Musik von ihrem Vater beigebracht bekommen hatte. Sie spielt auch heute noch leidenschaftlich gerne in verschiedenen Ensembles, brach das Studium aber wegen der Geburt ihrer Tochter ab, die bis heute ihr ganzer Stolz ist. Sie machte eine Tourismusausbildung und wechselte nach ihrer Tätigkeit in verschiedenen Reisebüros in die Pharmaindustrie, wo sie die österreichische Niederlassung einer Marketing-Agentur aufbaute. Heute ist sie Pensionistin.

Link zur Kurzbiografie mit Fotos von Hendrike Sora

Links zu den Audiodateien des Projekts „MenschenLeben“ der Mediathek: 

Interview Hendrike Sora, Teil 1
Interview Hendrike Sora, Teil 2
Interview Hendrike Sora, Teil 3

 

 

Margit Prankl

Ein Interview vom 16/22.6.2021 von Melanie Grubner
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Geboren 1933 in Brünn/Brno (Tschechoslowakei) lebt Margit Prankl, geborene Carda, bis zum Mai 1945 als Sudetendeutsche in der Tschechoslowakei. Als 11-Jährige wird sie gemeinsam mit ihrer Familie aus der Tschechoslowakei vertrieben und kommt nach mehreren Zwischenstationen schlussendlich in das Umsiedlerlager Melk, wo sie fortan bleibt. Prankl besucht eine deutsche Volks- und Hauptschule in Brünn, macht ihren Schulabschluss in Melk und arbeitet später in verschiedensten Bereichen als Hilfsarbeiterin. Die letzten zehn Jahre ihres Berufslebens ist sie Portierin im Stift Melk. Margit Prankl war zwei Mal verheiratet, hat sieben Kinder bekommen und lebt heute als Witwe im Pflegeheim Melk.

Link zur Kurzbiografie mit Fotos von Margit Prankl

Links zu den Audiodateien des Projekts „MenschenLeben“ der Mediathek: 

Interview Margit Prankl, Teil 1
Interview Margit Prankl, Teil 2
Interview Margit Prankl, Teil 3
Interview Margit Prankl, Teil 4

 

Barbara Weber

Ein Interview vom 11.8.2021 von Melanie Grubner
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Geboren 1931 in Hofamt Priel lebt Barbara Weber, geborene Brandstetter, noch 90 Jahre später an derselben Adresse. Als zweitjüngstes von elf Kindern erlebt sie die Kriegs- und Nachkriegszeit. Im Mai 1945 erlebt sie als Ohrenzeugin die Erschießung von 228 ungarisch-jüdischen Zwangsarbeiter*innen gegenüber von ihrem Elternhaus. Weber besucht die Volks- und Hauptschule in Persenbeug und arbeitet danach für die Familie Habsburg-Lothringen als forstwirtschaftliche Hilfsarbeiterin, bei Landwirten der Umgebung und als Reinigungskraft. Sie heiratet einen Zimmermann und bekommt mit ihm zwei Kinder. Das Ehepaar Weber errichtet anstelle von Barbaras Elternhaus einen Neubau. Barbara Weber ist Hausfrau und Mutter und baut gemeinsam mit ihrem Mann ihr gemeinsames Haus. Sie hat Zeit ihres Lebens gerne genäht und geschneidert. Große Freude bereitet ihr das Karten spielen mit Freundinnen. Heute ist Barbara Weber Witwe und Pensionistin.

Link zur Kurzbiografie mit Fotos von Barbara Weber

Link zu den Audiodateien des Projekts „MenschenLeben“ der Mediathek: 

Interview Barbara Weber, Teil 1
Interview Barbara Weber, Teil 2

 

Karl Wallner

Ein Interview vom 2.7.2021 von Melanie Grubner
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Geboren 1929 in St. Aegyd am Neuwalde lebt Karl Wallner auch heute noch in der Marktgemeinde. Als Kind begeistertes Mitglied beim St. Aegyder Fanfarenzug ließ ihn die Leidenschaft für Musik nie los: er wirkte in verschiedensten Formationen etwa bei einem Gesangsquartett, einer Big Band und der St. Aegyder Werksmusikkapelle mit. In seiner Jugend war er begeisterter Fußballer und Mitglied bei der Hitlerjugend, seine Meinung zum NS-Regime änderte sich kurz vor Kriegsende durch mehrere Ereignisse. Als Jugendlicher machte er Beobachtungen rund um das KZ-Außenlager St. Aegyd am Neuwalde, in dessen Nähe er wohnte. Karl Wallner lernte im St. Aegyder Eisenwerk Elektriker und arbeitete dort über vierzig Jahre. Er ist seit 70 Jahren verheiratet und Vater zweier Töchter.  

Link zur Kurzbiografie mit Fotos von Karl Wallner

Link zu den Audiodateien des Projekts „MenschenLeben“ der Mediathek: 

Interview Karl Wallner, Teil 1
Interview Karl Wallner, Teil 2
Interview Karl Wallner, Teil 3

 

Rupert Wolfsberger

Ein Interview vom 29.7.2021 von Melanie Grubner
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Geboren 1939 in Melk, lebt Rupert Wolfsberger heute an der gegenüberliegenden Donauseite in Emmersdorf an der Donau. Er erinnert sich an Bombenalarmierungen und Hitlergrüße im Kindergarten. Nach dem Krieg besucht er die Volks- und Hauptschule in Melk, anschließend geht er nach St. Pölten in die Handelsschule. Nach ersten beruflichen Erfahrungen im Büro, leistet er seinen Präsenzdienst beim österreichischen Bundesheer. Danach zieht es ihn in die Ferne und er absolviert die Fallschirmjägerausbildung bei der französischen Fremdenlegion in Frankreich und Algerien. Wieder zurück in Melk heiratet er seine Jugendliebe Roswitha, die beiden haben zusammen drei Kinder. Rupert Wolfsberger ist knapp vierzig Jahre bei der NEWAG, später EVN, als Stromrechnungsinkassant im Außendienst beschäftigt. Privat war er viel in der Ruderunion, im Turnverein und beim Reisen aktiv. Noch heute liebt er es zu Reisen und gut zu essen. Rupert Wolfsberger lebt mit seiner Frau in seinem Haus in Emmersdorf an der Donau und ist Pensionist.

Link zur Kurzbiografie mit Fotos von Rupert Wolfsberger

Link zu den Audiodateien des Projekts „MenschenLeben“ der Mediathek: 

Interview Rupert Wolfsberger, Teil 1
Interview Rupert Wolfsberger, Teil 2
Interview Rupert Wolfsberger, Teil 3

 

 

Theresia Wawra

Ein Interview vom 29.09./01.10.2020 von Melanie Grubner
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Geboren 1924 in Leiben (Niederösterreich) lebt Theresia Wawra, geborene Mosgöller, seit den 1930ern in Melk. Sie besuchte Volks- und Hauptschule und machte anschließend die Lehre zur Baukauffrau beim Melker Baumeister Sdraule. Im Rahmen des „Reichsarbeitsdienstes“ arbeitete sie ein Jahr lang in unterschiedlichen Positionen. 1944-1945 befand sich in Melk ein Außenlager des KZs Mauthausen, zu dieser Zeit arbeitete Wawra am Arbeitsamt in Melk. Später arbeitete sie wieder – bis zu ihrer Pensionierung – beim Baumeister, heiratete einen Schneider und bekam Zwillinge. Heute ist Theresia Wawra Witwe und Pensionistin.

Link zur Kurzbiografie mit Fotos von Theresia Wawra

Link zu den Audiodateien des Projekts „MenschenLeben“ der Mediathek:

Interview Theresia Wawra, Teil 1
Interview Theresia Wawra, Teil 2
Interview Theresia Wawra, Teil 3
Interview Theresia Wawra, Teil 4

   

Hans Morgenstern

Ein Interview vom 23.09.2020 von Christina Kandler
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Geboren 1937 in St. Pölten (Niederösterreich) lebt Hans Morgenstern noch heute als „letzter Jude“ in der Landeshauptstadt. Von den Nationalsozialisten vertrieben wanderten seine Eltern 1939 mit ihm nach Palästina aus, wo er die nächsten acht Jahre lang in einem Vorort Tel Avivs lebte. Ende 1940er zurückgekehrt begann Hans später ein Medizinstudium in Wien und eröffnete eine Praxis für Dermatologie in St. Pölten. In seiner Freizeit ist er viel und gerne gereist und beschäftigte sich mit jüdischen Biografien. Hans lebt heute als Pensionist in St. Pölten und ist gerngesehener Gast in den städtischen Kaffeehäusern.

Link zur Kurzbiografie mit Fotos von Hans Morgenstern

Link zu den Audiodateien des Projekts „MenschenLeben“ der Mediathek:

Interview Hans Morgenstern, Teil 1
Interview Hans Morgenstern, Teil 2
Interview Hans Morgenstern, Teil 3

   

Erich Lackner

Ein Interview vom 08.09.2020 von Christina Kandler
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Geboren 1929 in Loosdorf (Niederösterreich) lebt Erich Lackner nach wie vor in der Marktgemeinde. Er machte eine Lehre zum Friseur, schnitt während der Besatzungszeit auch russischen Soldaten die Haare und übernahm später den Friseursalon seines Vaters. Lackner ist verheiratet und hat drei Kinder. Noch heute schneidet er seinen Stammkund*innen die Haare und denkt nicht ans Aufhören.

 Link zur Kurzbiografie mit Fotos von Erich Lackner

 Link zu den Audiodateien des Projekts „MenschenLeben“ der Mediathek:

Interview Erich Lackner, Teil 1
Interview Erich Lackner, Teil 2
Interview Erich Lackner, Teil 3

   

Anna Berger

Ein Interview vom 27.08.2020 von Melanie Grubner
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Geboren 1927 in Pöchlarn (Niederösterreich) wohnt Anna Berger, geborene Zeitlhofer, heute in Bischofstetten. Sie wurde in eine Arbeiterfamilie geboren und erlebte eine entbehrungsreiche Kriegskindheit. Nach ihrem Hauptschulabschluss arbeitete sie auf Bauernhöfen oder als Hausmädchen. Im letzten Kriegsjahr arbeitete sie gemeinsam mit KZ-Häftlingen aus dem KZ Melk bei der Steyr Daimler Puch AG in der Stollenanlage Roggendorf bei Loosdorf. Später hat sie geheiratet, vier Kinder bekommen und weitergearbeitet. Anna Berger ist heute Pensionistin und Witwe.

Link zur Kurzbiografie mit Fotos von Anna Berger.

Link zu den Audiodateien des Projekts „MenschenLeben“ der Mediathek: 

Interview Anna Berger, Teil 1
Interview Anna Berger, Teil 2
Interview Anna Berger, Teil 3
Interview Anna Berger, Teil 4

   

Maria Lebhart

Ein Interview vom 17.08.2020 von Melanie Grubner
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Geboren 1934 in Mank (Niederösterreich) wohnt Maria Lebhart, geborene Will, seit den 1950ern in Kirnberg an der Mank. Sie verbrachte eine Kriegs- und Nachkriegskindheit mit drei Geschwistern. Als 11-Jährige erlebte Maria wie eine Kolonne von rund 200 KZ-Häftlingen auf einem Evakuierungsmarsch Richtung Mauthausen bei ihrem Elternhaus übernachtete. Von diesen KZ-Häftlingen wurden am nächsten Morgen drei erschossen. Neben Marias Elternhaus – das heute ihrem Bruder Alois Will (Link zur Kurzbiografie von Alois Will) gehört – befindet sich seit 2010 ein Mahnmal, das an die Ermordeten erinnert. Lebhart besuchte Volks- und Hauptschule in Mank, heiratete auf einen Bauernhof in den Nachbarort und bekam vier Kinder. Heute ist sie Pensionistin und Witwe.

Link zur Kurzbiografie mit Fotos von Maria Lebhart.

Link zu den Audiodateien des Projekts „MenschenLeben“ der Mediathek:

Interview Maria Lebhart, Teil 1
Interview Maria Lebhart, Teil 2
Interview Maria Lebhart, Teil 3
Interview Maria Lebhart, Teil 4
Interview Maria Lebhart, Teil 5
Interview Maria Lebhart, Teil 6

   

Alois Will

Ein Interview vom 12.08.2020 von Melanie Grubner
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Geboren 1941 in Mank (Niederösterreich) ist Alois Will heute noch dort wohnhaft. Er verbrachte eine Kriegs- und Nachkriegskindheit mit drei Geschwistern. Als Vierjähriger wurde er im April 1945 Zeuge einer Erschießung dreier KZ-Häftlinge vor seinem Haus. Will besuchte Volks- und Hauptschule in Mank, übernahm später den elterlichen Bauernhof und arbeitete als Buschauffeur. Er ist in vielen Vereinen aktiv und leidenschaftlicher Bergsteiger. 2010 errichtete er vor seinem Haus ein Mahnmal, das an die ermordeten KZ-Häftlinge erinnert. Alois Will ist verheiratet, hat drei Kinder und mehrere Enkelkinder. Er lebt als Pensionist mit seiner Frau nach wie vor in Mank. Alois Will ist der jüngere Bruder von Maria Lebhart, mit der ebenfalls ein Interview geführt wurde (Link zur Kurzbiografie von Maria Lebhart).

Link zur Kurzbiografie mit Fotos von Alois Will.

Link zu den Audiodateien des Projekts „MenschenLeben“ der Mediathek:

Interview Alois Will, Teil 1
Interview Alois Will, Teil 2
Interview Alois Will, Teil 3
Interview Alois Will, Teil 4
Interview Alois Will, Teil 5

 

Elisabeth Schmid

Ein Interview vom 02./08.07.2020 von Christina Kandler
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Geboren 1938 in Melk (Niederösterreich) lebt Elisabeth Schmid auch heute noch in der Bezirkshauptstadt. Als Tochter des Melker Bürgermeisters erlebte sie den Zweiten Weltkrieg nahe eines Konzentrationslagers hautnah mit. Später studierte sie in Wien und wurde Lehrerin. Sie ist sehr viel gereist und vielseitig interessiert. Heute ist Elisabeth Schmid Pensionistin.

Link zur Kurzbiografie mit Fotos von Elisabeth Schmid.

Link zu den Audiodateien des Projekts „MenschenLeben“ der Mediathek: 

Interview Elisabeth Schmid, Teil 1
Interview Elisabeth Schmid, Teil 2
Interview Elisabeth Schmid, Teil 3
Interview Elisabeth Schmid, Teil 4

 

Die Landkarte zeigt die bislang vierzehn Orte des Projekts "Zwischenräume".Die Landkarte zeigt die bislang vierzehn Orte des Projekts "Zwischenräume".

Zwischenräume verbindet Orte in Niederösterreich mit dem Ziel, das Gedenken an Widerstand, Verfolgung und Gewalt während der Zeit des Nationalsozialismus zugänglich zu halten. Ausgehend von der Region um die Erinnerungsorte KZ-Gedenkstätte Melk und Museum ERLAUF ERINNERT verortet das Projekt sichtbare, bekannte und auch wenig bekannte Orte der Erinnerung. Inhaltlich stehen dabei historische Plätze im Mittelpunkt, die Tatorte nationalsozialistischer Verbrechen wurden und gegenwärtig sehr unterschiedliche Beispiele einer sich wandelnden Erinnerungskultur zeigen. Durch die Vernetzung mit Gedenkinitiativen, HistorikerInnen und engagierten BürgerInnen einerseits und die Präsentation einer Auswahl kommentierter Quellen andererseits entsteht eine Wissens- und Vermittlungsplattform und damit eine Topographie der Erinnerung. Das Projekt läuft seit dem Jahr 2017 und umfasst inzwischen vierzehn Orte des Gedenkens/Erinnerns an die NS-Zeit:
Bezirk Melk: Loosdorf, Melk/Donau, Mank, Emmersdorf/Donau, Golling/Erlauf, Pöchlarn, Erlauf, Hofamt Priel; St. Pölten-Land: Viehofen; Scheibbs: Göstling, Randegg, Lunz am See; Krems-Land: St. Lorenz in der Wachau; Amstetten: Mauer-Öhling.

Hier geht's direkt zur Projekt-Website mit Infos, Fotos und Quellen zu allen vierzehn Orten der "Zwischenräume".

Das Foto aus dem Jahr 1947 zeigt die ehemalige Lagerküche im heutigen "Objekt 10" der Biragokaserne Melk. Foto: Hilda Lepetit, Archiv Memorial Ebensee.Das Foto aus dem Jahr 1947 zeigt die ehemalige Lagerküche im heutigen "Objekt 10" der Biragokaserne Melk. Foto: Hilda Lepetit, Archiv Memorial Ebensee.

Das Zeithistorische Zentrum Melk widmet sich aktuell im Rahmen eines Forschungsprojekts - finanziell getragen von der Wissenschaftsabteilung des Landes NÖ, dem österreichischen Zukunftsfonds sowie dem österreichischen Nationalfonds - der Geschichte der KZ-Gedenkstätte Melk ab 1945.
Dass das ehemalige Krematoriumsgebäude des KZ-Außenlagers Melk als Gedenkstätte überhaupt erhalten geblieben ist, geht hauptsächlich auf das Engagement von KZ-Überlebenden bzw. von Nachkommen von Melker KZ-Opfern zurück. Die frühesten Gedenkfeiern in Melk führten französische „Pilgergruppen“ bereits ab 1948 durch, schon 1947 war etwa Hilda Lepetit, Witwe des in Ebensee ermordeten italienischen Häftlings Roberto Lepetit, zu Besuch in Melk und erstellte eine Fotoserie.

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Das Foto aus dem Jahr 1948 zeigt eine Gruppe französischer Pilger*innen der "Amicale de Mauthausen" bei ihrem Besuch im ehemaligen Krematorium Melk. Foto: Jean Barbier, Amicale de Mauthausen


Im November 1948 überlegte die NÖ Landesregierung, das ehemalige Krematorium zu schleifen und durch ein repräsentatives Denkmal zu ersetzen. Diesem Vorhaben wurde jedoch von den sowjetischen Besatzern eine Absage erteilt, stattdessen wurde das Areal 1950 der Stadt Melk übergeben und in weiterer Folge erstmals umfangreich saniert. Erst seit 1962 ist das frühere Krematoriumsgebäude als „öffentliches Denkmal“ gewidmet und gehört seither organisatorisch zur KZ-Gedenkstätte Mauthausen.

Im Rahmen des Forschungsprojekts wollen wir den Akteur*innen nachspüren, die das Gedenken vor Ort über die Jahrzehnte entscheidend geprägt haben, gleichzeitig aber auch untersuchen, wie sich die Wahrnehmung und Akzeptanz seitens der Melker Bevölkerung darstellte. Dafür sucht das ZHZ nach Zeitzeugen und Fotos. Gesucht werden Menschen, die schon sehr früh an Gedenkfeiern in Melk teilgenommen haben oder sogar Fotos dieser ersten Feiern besitzen. Infos bitte an info@melk-memorial.org bzw. an die Nummer 0677/63658882.

 

Paula, Elisabeth Susanne und Ernst Porges lebten bis zu ihrer Vertreibung im Herbst 1938 in Melk. Foto: USHMM
Paula, Elisabeth Susanne und Ernst Porges lebten bis zu ihrer Vertreibung im Herbst 1938 in Melk. Foto: USHMMPaula, Elisabeth Susanne und Ernst Porges lebten bis zu ihrer Vertreibung im Herbst 1938 in Melk. Foto: USHMM

Die Geschichte der Melker Bürger:innen jüdischer Herkunft, ihr Beitrag zum gesellschaftlichen Leben in der Stadt, ihre Marginalisierung, Enteignung, Vertreibung und Vernichtung sind in der Stadt Melk heute fast vollständig in Vergessenheit geraten. Die bislang erste und einzige Auseinandersetzung mit dieser Thematik fand in Melk im Jahr 2002 im Rahmen einer vom Kultur- und Museumsverein gestalteten Ausstellung unter dem Titel "Melk 1938 - 1945. Nationalsozialismus in einer Kleinstadt" statt. Inzwischen liegen zahlreiche neue Quellen vor bzw. wurden seitens des ZHZ Melk in den letzten beiden Jahren umfangreiche Recherchen zum Thema durchgeführt.

Obgleich einige jener Häuser, in denen diese Jüdinnen und Juden meist über mehrere Jahrzehnte lebten, heute noch erhalten und baulich defacto unverändert geblieben sind, kennt in der Melker Bevölkerung heute kaum noch jemand die Namen dieser Menschen. Im Herbst 1938 waren sie gezwungen gewesen, ihr Hab und Gut zu verkaufen, die Stadt zu verlassen und schließlich wurden sie Opfer der nationalsozialistischen Vernichtungsmaschinerie in osteuropäischen Mordstätten.

Ziel dieses Projekts ist es, die Namen und Schicksale dieser Menschen wieder in die lokale und regionale Erinnerung zu bringen, sich gemeinsam mit Schüler:innen aus der Region ihren Biografien anzunähern und schließlich ihnen ein dauerhaftes Gedenken zu bewahren. Zu diesem Zweck werden in der Stadt Melk am 15. Oktober 2021 - exakt 83 Jahre nachdem die letzten Jüdinnen und Juden Melk zwangsweise verlassen mussten - mehrere „Steine der Erinnerung“ gesetzt. Das Projekt wird von den ÖBB sowie von der Stadt Melk unterstützt, die auch die Verlegung der Steine auf den öffentlichen Verkehrsflächen dankenswerter weise übernommen hat.

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In der Linzer Straße 23 wurden drei "Steine der Erinnerung" für Olga Schneider, Paula und Liesl Porges sowie Betty Kraus gesetzt. Foto: ZHZ MELK, Rabl

Auf Basis der bisher erfolgten Recherchen zu den aus Melk vertriebenen Jüdinnen und Juden hat das ZHZ Melk eine 32-seitige Broschüre erarbeitet, die hier zum kostenlosen Download bereitsteht. Die gedruckte Version ist im Zeithistorischen Zentrum Melk (Linzer Straße 5) sowie bei der Tourismusstelle an der Nibelungenlände erhältlich bzw. kann gerne auch zugeschickt werden. Info unter info@melk-memorial.org