Projekte

Wir arbeiten laufend wissenschaftlich zu offenen zeithistorischer Fragen, welche die Stadt Melk sowie die ganze Region betreffen (vgl. das Projekt "Zwischenräume"). Darüber hinaus wollen wir uns aber auch systematisch auf nationaler und internationaler mit Institutionen und Initiativen vernetzen - sei es zu wissenschaftlichen Themen, sei es aber auch in gedenkstättenpädagogischer Hinsicht. Besonders wichtig ist für uns hier eine Form der Vermittlungsarbeit zu pflegen, die ausgehend von zeithistorischen Fakten und Ereignissen immer auch auf aktuelle gesellschaftspolitische Themen reflektiert. Im Fokus stehen hier nicht zuletzt auch Erinnerungen an die NS-Zeit sowie an Aspekte der Gedenk- und Erinnerungskultur nach 1945 (vgl. das Projekt MenschenLeben).
Um diesen Zielen gerecht zu werden und unser Repertoire laufend zu erweitern, gehen wir auch immer wieder projektbezogene Kooperationen ein und vernetzen uns. Die Ergebnisse dieser Projekte und Kooperationen wollen wir künftig in der Rubrik "Projekte" vorstellen und Sie somit über unsere Arbeit auf dem Laufenden halten.

Dabei steht jeder Karteireiter für ein konkretes Projekt. Dort finden Sie Projektergebnisse, weiterführende Informationen, Links etc. Möchten Sie zu einem der vorgestellten Projekte etwas beitragen? Verfügen Sie über Quellen- oder Fotomaterial, welches Sie uns zur Verfügung stellen wollen? Kennen Sie Menschen, die uns von ihrem Leben erzählen möchten? Dann wenden Sie sich bitte an die E-Mailadresse: info@melk-memorial.org bzw. rufen Sie uns unter 0677/63658882 an.

Hier im Bild: der Manker Alois Will in jüngeren Jahren ... für unser MenschenLeben-Interview im Sommer 2020 hat er das abgebildete Motorrad (immer noch funktionstüchtig) aus der Garage geholt.Hier im Bild: der Manker Alois Will in jüngeren Jahren ... für unser MenschenLeben-Interview im Sommer 2020 hat er das abgebildete Motorrad (immer noch funktionstüchtig) aus der Garage geholt.

 

Seit 2020 ist das ZHZ Melk Kooperationspartner des Interviewprojekts "MenschenLeben" der Österreichischen Mediathek. Dabei handelt es sich um eine Sammlung lebensgeschichtlicher Erzählungen, die 2009 gegründet wurde und inzwischen mehr als 1.600 Interviews beinhaltet. Geführt werden die lebensgeschichtlichen Gespräche nach der sozialwissenschaftlichen Methode des "narrativen Interviews" (nach Fritz Schütze). Unsere beiden in der Methode geschulten Interviewerinnen, Melanie Grubner und Christina Kandler, haben im vergangenen Jahr sieben lebensgeschichtliche Interviews mit Menschen aus Melk, Mank, St. Pölten, Bischofstetten, Loosdorf und Kirnberg geführt. Hier können Sie jeweils kurze Biografien der bislang interviewten Menschen downloaden und finden außerdem die Links zu den kompletten Audio-Interviews:

Theresia Wawra

Ein Interview vom 29.09./01.10.2020 von Melanie Grubner
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Geboren 1924 in Leiben (Niederösterreich) lebt Theresia Wawra, geborene Mosgöller, seit den 1930ern in Melk. Sie besuchte Volks- und Hauptschule und machte anschließend die Lehre zur Baukauffrau beim Melker Baumeister Sdraule. Im Rahmen des „Reichsarbeitsdienstes“ arbeitete sie ein Jahr lang in unterschiedlichen Positionen. 1944-1945 befand sich in Melk ein Außenlager des KZs Mauthausen, zu dieser Zeit arbeitete Wawra am Arbeitsamt in Melk. Später arbeitete sie wieder – bis zu ihrer Pensionierung – beim Baumeister, heiratete einen Schneider und bekam Zwillinge. Heute ist Theresia Wawra Witwe und Pensionistin.

Link zur Kurzbiografie mit Fotos von Theresia Wawra

Link zu den Audiodateien des Projekts „MenschenLeben“ der Mediathek: Interview Theresia Wawra (in vier Teilen).

 

  

Hans Morgenstern

Ein Interview vom 23.09.2020 von Christina Kandler
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Geboren 1937 in St. Pölten (Niederösterreich) lebt Hans Morgenstern noch heute als „letzter Jude“ in der Landeshauptstadt. Von den Nationalsozialisten vertrieben wanderten seine Eltern 1939 mit ihm nach Palästina aus, wo er die nächsten acht Jahre lang in einem Vorort Tel Avivs lebte. Ende 1940er zurückgekehrt begann Hans später ein Medizinstudium in Wien und eröffnete eine Praxis für Dermatologie in St. Pölten. In seiner Freizeit ist er viel und gerne gereist und beschäftigte sich mit jüdischen Biografien. Hans lebt heute als Pensionist in St. Pölten und ist gerngesehener Gast in den städtischen Kaffeehäusern.

Link zur Kurzbiografie mit Fotos von Hans Morgenstern

Link zu den Audiodateien des Projekts „MenschenLeben“ der Mediathek: Interview Hans Morgenstern (in drei Teilen).

 

  

Erich Lackner

Ein Interview vom 08.09.2020 von Christina Kandler
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Geboren 1929 in Loosdorf (Niederösterreich) lebt Erich Lackner nach wie vor in der Marktgemeinde. Er machte eine Lehre zum Friseur, schnitt während der Besatzungszeit auch russischen Soldaten die Haare und übernahm später den Friseursalon seines Vaters. Lackner ist verheiratet und hat drei Kinder. Noch heute schneidet er seinen Stammkund*innen die Haare und denkt nicht ans Aufhören.

 Link zur Kurzbiografie mit Fotos von Erich Lackner

 Link zu den Audiodateien des Projekts „MenschenLeben“ der Mediathek: Interview Erich Lackner (in drei Teilen).

 

  

Anna Berger

Ein Interview vom 27.08.2020 von Melanie Grubner
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Geboren 1927 in Pöchlarn (Niederösterreich) wohnt Anna Berger, geborene Zeitlhofer, heute in Bischofstetten. Sie wurde in eine Arbeiterfamilie geboren und erlebte eine entbehrungsreiche Kriegskindheit. Nach ihrem Hauptschulabschluss arbeitete sie auf Bauernhöfen oder als Hausmädchen. Im letzten Kriegsjahr arbeitete sie gemeinsam mit KZ-Häftlingen aus dem KZ Melk bei der Steyr Daimler Puch AG in der Stollenanlage Roggendorf bei Loosdorf. Später hat sie geheiratet, vier Kinder bekommen und weitergearbeitet. Anna Berger ist heute Pensionistin und Witwe.

Link zur Kurzbiografie mit Fotos von Anna Berger.

Link zu den Audiodateien des Projekts „MenschenLeben“ der Mediathek: Interview Anna Berger (in vier Teilen).

 

  

Maria Lebhart

Ein Interview vom 17.08.2020 von Melanie Grubner
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Geboren 1934 in Mank (Niederösterreich) wohnt Maria Lebhart, geborene Will, seit den 1950ern in Kirnberg an der Mank. Sie verbrachte eine Kriegs- und Nachkriegskindheit mit drei Geschwistern. Als 11-Jährige erlebte Maria wie eine Kolonne von rund 200 KZ-Häftlingen auf einem Evakuierungsmarsch Richtung Mauthausen bei ihrem Elternhaus übernachtete. Von diesen KZ-Häftlingen wurden am nächsten Morgen drei erschossen. Neben Marias Elternhaus – das heute ihrem Bruder Alois Will (Link zur Kurzbiografie von Alois Will) gehört – befindet sich seit 2010 ein Mahnmal, das an die Ermordeten erinnert. Lebhart besuchte Volks- und Hauptschule in Mank, heiratete auf einen Bauernhof in den Nachbarort und bekam vier Kinder. Heute ist sie Pensionistin und Witwe.

Link zur Kurzbiografie mit Fotos von Maria Lebhart.

Link zu den Audiodateien des Projekts „MenschenLeben“ der Mediathek: Interview Maria Lebhart (in sechs Teilen).

 

  

Alois Will

Ein Interview vom 12.08.2020 von Melanie Grubner
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Geboren 1941 in Mank (Niederösterreich) ist Alois Will heute noch dort wohnhaft. Er verbrachte eine Kriegs- und Nachkriegskindheit mit drei Geschwistern. Als Vierjähriger wurde er im April 1945 Zeuge einer Erschießung dreier KZ-Häftlinge vor seinem Haus. Will besuchte Volks- und Hauptschule in Mank, übernahm später den elterlichen Bauernhof und arbeitete als Buschauffeur. Er ist in vielen Vereinen aktiv und leidenschaftlicher Bergsteiger. 2010 errichtete er vor seinem Haus ein Mahnmal, das an die ermordeten KZ-Häftlinge erinnert. Alois Will ist verheiratet, hat drei Kinder und mehrere Enkelkinder. Er lebt als Pensionist mit seiner Frau nach wie vor in Mank. Alois Will ist der jüngere Bruder von Maria Lebhart, mit der ebenfalls ein Interview geführt wurde (Link zur Kurzbiografie von Maria Lebhart).

Link zur Kurzbiografie mit Fotos von Alois Will.

Link zu den Audiodateien des Projekts „MenschenLeben“ der Mediathek:

Interview Alois Will, Teil 1

Interview Alois Will, Teil 2

Interview Alois Will, Teil 3

Interview Alois Will, Teil 4

Interview Alois Will, Teil 5

 

  

Elisabeth Schmid

Ein Interview vom 02./08.07.2020 von Christina Kandler
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Geboren 1938 in Melk (Niederösterreich) lebt Elisabeth Schmid auch heute noch in der Bezirkshauptstadt. Als Tochter des Melker Bürgermeisters erlebte sie den Zweiten Weltkrieg nahe eines Konzentrationslagers hautnah mit. Später studierte sie in Wien und wurde Lehrerin. Sie ist sehr viel gereist und vielseitig interessiert. Heute ist Elisabeth Schmid Pensionistin.

Link zur Kurzbiografie mit Fotos von Elisabeth Schmid.

Link zu den Audiodateien des Projekts „MenschenLeben“ der Mediathek: Interview Elisabeth Schmid (in vier Teilen).

 

Die Landkarte zeigt die bislang vierzehn Orte des Projekts "Zwischenräume".Die Landkarte zeigt die bislang vierzehn Orte des Projekts "Zwischenräume".

Zwischenräume verbindet Orte in Niederösterreich mit dem Ziel, das Gedenken an Widerstand, Verfolgung und Gewalt während der Zeit des Nationalsozialismus zugänglich zu halten. Ausgehend von der Region um die Erinnerungsorte KZ-Gedenkstätte Melk und Museum ERLAUF ERINNERT verortet das Projekt sichtbare, bekannte und auch wenig bekannte Orte der Erinnerung. Inhaltlich stehen dabei historische Plätze im Mittelpunkt, die Tatorte nationalsozialistischer Verbrechen wurden und gegenwärtig sehr unterschiedliche Beispiele einer sich wandelnden Erinnerungskultur zeigen. Durch die Vernetzung mit Gedenkinitiativen, HistorikerInnen und engagierten BürgerInnen einerseits und die Präsentation einer Auswahl kommentierter Quellen andererseits entsteht eine Wissens- und Vermittlungsplattform und damit eine Topographie der Erinnerung. Das Projekt läuft seit dem Jahr 2017 und umfasst inzwischen vierzehn Orte des Gedenkens/Erinnerns an die NS-Zeit:
Bezirk Melk: Loosdorf, Melk/Donau, Mank, Emmersdorf/Donau, Golling/Erlauf, Pöchlarn, Erlauf, Hofamt Priel; St. Pölten-Land: Viehofen; Scheibbs: Göstling, Randegg, Lunz am See; Krems-Land: St. Lorenz in der Wachau; Amstetten: Mauer-Öhling.

Hier geht's direkt zur Projekt-Website mit Infos, Fotos und Quellen zu allen vierzehn Orten der "Zwischenräume".

Das Foto aus dem Jahr 1947 zeigt die ehemalige Lagerküche im heutigen "Objekt 10" der Biragokaserne Melk. Foto: Hilda Lepetit, Archiv Memorial Ebensee.Das Foto aus dem Jahr 1947 zeigt die ehemalige Lagerküche im heutigen "Objekt 10" der Biragokaserne Melk. Foto: Hilda Lepetit, Archiv Memorial Ebensee.

Das Zeithistorische Zentrum Melk widmet sich aktuell im Rahmen eines Forschungsprojekts - finanziell getragen von der Wissenschaftsabteilung des Landes NÖ, dem österreichischen Zukunftsfonds sowie dem österreichischen Nationalfonds - der Geschichte der KZ-Gedenkstätte Melk ab 1945.
Dass das ehemalige Krematoriumsgebäude des KZ-Außenlagers Melk als Gedenkstätte überhaupt erhalten geblieben ist, geht hauptsächlich auf das Engagement von KZ-Überlebenden bzw. von Nachkommen von Melker KZ-Opfern zurück. Die frühesten Gedenkfeiern in Melk führten französische „Pilgergruppen“ bereits ab 1948 durch, schon 1947 war etwa Hilda Lepetit, Witwe des in Ebensee ermordeten italienischen Häftlings Roberto Lepetit, zu Besuch in Melk und erstellte eine Fotoserie.

Melk-Memorial-Projekt - Pilgergruppe 1948 - Foto von Jean Barbier - erhalten von Lafaurie-Amicale.png

Das Foto aus dem Jahr 1948 zeigt eine Gruppe französischer Pilger*innen der "Amicale de Mauthausen" bei ihrem Besuch im ehemaligen Krematorium Melk. Foto: Jean Barbier, Amicale de Mauthausen


Im November 1948 überlegte die NÖ Landesregierung, das ehemalige Krematorium zu schleifen und durch ein repräsentatives Denkmal zu ersetzen. Diesem Vorhaben wurde jedoch von den sowjetischen Besatzern eine Absage erteilt, stattdessen wurde das Areal 1950 der Stadt Melk übergeben und in weiterer Folge erstmals umfangreich saniert. Erst seit 1962 ist das frühere Krematoriumsgebäude als „öffentliches Denkmal“ gewidmet und gehört seither organisatorisch zur KZ-Gedenkstätte Mauthausen.

Im Rahmen des Forschungsprojekts wollen wir den Akteur*innen nachspüren, die das Gedenken vor Ort über die Jahrzehnte entscheidend geprägt haben, gleichzeitig aber auch untersuchen, wie sich die Wahrnehmung und Akzeptanz seitens der Melker Bevölkerung darstellte. Dafür sucht das ZHZ nach Zeitzeugen und Fotos. Gesucht werden Menschen, die schon sehr früh an Gedenkfeiern in Melk teilgenommen haben oder sogar Fotos dieser ersten Feiern besitzen. Infos bitte an info@melk-memorial.org bzw. an die Nummer 0677/63658882.